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Zum Dessert: Apfel vom Pferd

von bprimigZuletzt verändert: 20.05.2008 10:07

Hunde haben manchmal seltsame Gelüste. Hingebungsvoll zupfen sie Grashalm für Grashalm. Als besonderer Leckerbissen gilt Hufhorn. Gierig stürzen sie sich auch auf Kot jeder Gattung. Perverser Appetit?

„Frisst der Hund Gras, wird es regnen.“ Wenigstens der Aberglaube liefert eine eindeutig Erklärung, wo sich die Wissenschaft nicht einig ist. Eine Lehrmeinung geht davon aus, dass Hunde wie Katzen handeln. Sie fressen Gras, um es sofort wieder mit einem Büschel Haare zu erbrechen. Bei näherer Betrachtung der gelben Grassuppe, die dem Hundemagen entstammt, sind Haare aber bestenfalls in homöopathischer Dosis zu bemerken. Auch andere „Fremdkörper“ im Magen werden angeblich in Gras gepackt, um sie auf dem kürzesten Weg wieder los zu werden.

Interessant erscheint die zweite Erklärung: Gras enthält Bitterstoffe, die die Magensäureproduktion anregen. Tierärzte werten das oft als Hinweis auf eine Gastritis oder auf Mangelerscheinungen, die mittels einer chemischen Untersuchung des Erbrochenen nachgewiesen werden. Allerdings: Ursache vor allem für Mangelerscheinungen sei das „falsche“ Futter. Was als „falsch“ oder „richtig“ einzustufen ist, bleibt sowohl nach umfangreicher Recherche als auch nach jahrelanger Beobachtung unterschiedlich gefütterter Hunde unklar. Die Praxis der Hundeweide zeigt, dass sich trocken-, dosen-, frischfleisch-, selbst vegetarisch gefütterte Hunde gleichermaßen an frischem Grün gütlich tun.

Die enorme Lust von Hunden auf Hufhorn wird ebenfalls oft als Ausgleich beschrieben. Der Hund hole sich damit instinktiv das richtige Ergänzungsfutter mit einer Vielzahl an Mineralstoffen und Spurenelementen. Im Gegensatz zum Gras bleibt das Hufhorn im Magen. Das Pferd und seine Abfälle spielen bei Hunden insgesamt eine große Rolle, denn auch Pferdeäpfel sind höchst begehrt. Der Zugang zu dieser Spezialität ist aber vielen Hunden nicht möglich, sie müssen sich mit dem Inhalt des Katzenkisterls in den eigenen vier Wänden begnügen.

Für dieses Verhalten hat die Tiermedizin ein Fachwort: Koprophagie. Vor allem für Mäuse und andere Nagetiere ist das ein normales und notwendiges Verhalten. Sie fressen ihren eigenen Kot, um im Darm gebildete Bakterien wieder aufzunehmen. Hunde brauchen grundsätzlich keinen Kot als Nahrung, so viel ist jedenfalls sicher.

Auch hier bietet die Mangelerscheinung eine Erklärung: Vitamine, Mineralien, Enzyme und vieles mehr hole sich Hund auf diesem Weg in seinen Körper. Besonders häufig, so ist es nachzulesen, sei dieses Verhalten bei vegetarisch gefütterten Hunden zu beobachten. Ihre Besitzer bestreiten das aber vehement.

Nicht ein Mangel, sondern ein Übermaß an Nährstoffen ist die zweite Erklärung. Unsere Zivilisationshunde würden durch Fertignahrung aller Art von allem zu viel erhalten. Tatsächlich können etliche gesundheitliche Probleme wie Hauterkrankungen durch eine Reduzierung der Fleisch- und damit Eiweißzufuhr gemindert oder geheilt werden. Hunde würden durch diese Art der Eigenversorgung die innere Balance der Nährstoffe herzustellen versuchen.

Bei manchen Hunden ist das Verschlingen von Kot eine Verhaltensstörung. Sie tritt vorwiegend dann auf, wenn zu viele Hunde in zu kleinen und schlecht gepflegten Zwingern gehalten werden. Ein Mangel ist auch das: an sozialen Kontakten und Bewegungsmöglichkeit.

Hin und wieder ein wenig Gras, falls möglich einen Happen Hufhorn, und als Dessert ein Pferdeapfel: Möglicherweise trifft auf den Durchschnittshund keine der schwierigen Erklärungen zu. Möglicherweise ist es letztlich ganz einfach: Hund schmeckt’s. Und versteht nicht, warum Mensch das köstliche Mahl so ekelhaft findet.