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Kein Apso in Lhasa

von bprimigZuletzt verändert: 13.03.2006 10:47

Spätestens am zweiten Tag unserer Reise durch Tibet war den anderen Teilnehmern unserer Gruppe klar: Wir beide sind zwar ganz nett, aber verrückt mit unserem offenkundigen Interesse an Hunden.  Aber ab dem 4. Tag wurden wir sofort aufmerksam gemacht, wenn nur irgendwo ein hundeähnliches Wesen gesichtet wurde. Und Hunde gibt es genug in Tibet.

In den Klöstern soll es vor einigen Jahren noch Apsos gegeben haben. Mittlerweile haben die Mönche in den Versammlungshallen der Ratten wegen Katzen am Schoß, aber keine Hunde. In den Klosterhöfen tummeln sich mittelgroße kurzhaarige Mischlinge, die ein wenig Do-Khyi-Blut in sich tragen dürften.

Schöne Shar Khyi und tolle Do Khyi

In der Anlage rund um den Kumbum in Gyantse lebt ein großes Rudel Hunde vom Typ Shar Khyi. Besonders zwei schwarzweiße Rüden sind durch den eleganten Körperbau und den harmonischen Bewegungsablauf aufgefallen. Alle Hunde in dieser Anlage waren den Menschen gegenüber distanziert, aber absolut nicht aggressiv. Sie werden von den Mönchen gefüttert und gehören zum Kloster, aber nicht zu einer bestimmten Person.

Den ersten echten Do Khyi haben wir bereits in Lhasa gesehen: aus unserem Hotelfenster haben wir im Nachbarhof einen beeindruckenden Rüden an einer Kette entdeckt. Am nächsten Tag ein schöner kräftiger Rüde an der Kette im Sommerpalast des Dalai Lama. Ein Rüde, der so begeistert war von unserem Trockenfutter, dass er seine Wachfunktion total vergessen hatte und das Futter begeistert von meiner Hand nahm.

Im Hochland sind wir dann immer wieder Do Khyis begegnet. Natürlich nicht so substanzvoll wie in Europa, sie kommen mit sehr wenig Futter aus, nicht gepflegt, aber sehr typisch im Ausdruck. Schöne kräftige Köpfe, sehr gute Bewegung, nicht zu starke Knochen und furchtloses, temperamentvolles und uns Fremden gegenüber ignorantes Verhalten.

Auffallend war für mich, dass die Rute dieser Hunde im Stand bei Aufmerksamkeit über den Rücken gerollt wird, aber in der Bewegung und Entspannung nur das letzte Drittel gerollt ist, ansonsten wird die Rute frei schwebend getragen. Viele dieser Hunde tragen ein Halsband mit Glocken und rot gefärbtem Yakhaar.

Sie werden ausschließlich als Wachhunde in den Dörfern und bei den Zelten gehalten. Die Schafe, Ziegen oder Yaks werden nicht von den Hunden getrieben oder bewacht.

Sehr typvoll: Tibet Spaniel

In der Stadt Lhasa trifft man auf viel Tibet Spaniel oder Hunde ähnlich den Spaniels und den Pekingesen. Sie werden an der Leine geführt, sitzen mit ihren Besitzern in den Geschäften oder Marktständen. Sie sind teilweise gut gepflegt, auch sehr gut ernährt, freundlich und aufmerksam und insgesamt von recht guter Qualität.

Aber dass ich versucht habe zu spielen, diese kleinen Hunde unbedingt streicheln und füttern musste und meine Tochter auch fotografierte: das hat viel Gelächter bei den Tibetern ausgelöst.

Tibet Terrier ist uns nur ein einziger begegnet, auch an der Kette im Sommerpalast. Leider konnte ich ihn nicht dazu bringen aufzustehen und daher ist meine Beschreibung eher dürftig: ein Kopf wie ein Tibet Terrier.

Das Gebell von Apsos haben wir immer wieder gehört, aber in Tibet nie einen gesehen. Sie werden in den Häusern und Innenhöfen gehalten, sind reine Haushunde und verlassen nie das Grundstück.

Erst in Nepal: Lhasa Apsos

Umso toller dann ein Zufallsfund in Kathmandu. In einem tibetischen Flüchtlingslager haben wir eine Teppichknüpferei besucht. Meine Bemerkung "darauf werden unsere Apsos toll aussehen" hat die Verkäuferin aufhorchen lassen. Sie habe selbst sechs Apsos zuhause. Wir durften die Hunde besuchen - und waren begeistert.

Alle sechs relativ groß, aber typvolle ausdrucksstarke Hunde. Alle weiß, temperamentvoll, freundlich. Mein Futter war auch hier heiß begehrt. Ein Rüde hat sofort begriffen, wo das Futter im Rucksack liegt und hat mit Selbstbedienung sicher mehr erhalten als der Rest der Hundefamilie. Auf meine Frage, wann es wieder Welpen geben wird, meinte die Besitzerin: wenn es den Lhasa-Damen recht ist. Den Zeitpunkt bestimmen die Hunde.

Meine Bemerkung, in Europa bevorzugen wir Hunde mit dunklen Augen und schwarzer Nase hat wieder dieses schöne herzliche Lachen der Tibeter ausgelöst. Gerade die hellen Augen bringen besonders viel Glück.

Unsere Reise nach Tibet hat uns nicht nur beeindruckt durch die Menschen, die Landschaft und die Kultur. Sie hat uns auch im Wissen bestärkt: Es gibt sie noch, die tollen Hunde Tibets in ihrem Ursprungsland.

(Uschi Eisner. Erstabdruck: ÖTH-Nachrichten, November 2004)