Die Medizinschule in Tibet
Die ehemalige Tibetische Medizinschule befand sich einst auf dem gegenüber vom Potala gelegenen Chagpori (Eisenberg). Heute sind nicht einmal mehr Mauerreste zu erkennen, es ragt eine 1983 errichtete große Antenne empor.
Die Medizinschule diente der theoretischen und praktischen Ausbildung der Ärzte in der Anwendung der drei Wurzeln der tibetischen Medizin. Die Gesundheit des Menschen hängt vom Gleichgewicht der „drei Säfte“ ab: Galle, Schleim und Wind.
Krankheiten werden durch Untersuchung der Zunge und des Urins, Befragung des Patienten nach Symptomen und Fühlen des Pulses erkannt.
Die „drei Säfte“ stehen auch für drei der fünf Elemente, aus denen alles im Kosmos besteht: Wind für Luft, Galle für Feuer und Schleim für Wasser.
So werden zum Beispiel bei Kältekrankheiten, verursacht durch ein Zuviel an Schleim und Wind, erhitzende Speisen vorgeschrieben, bei Hitzekrankheiten durch Gallestörung kühlende Speisen.
Das Fühlen verschiedener Pulsschläge, die den Zustand der fünf Elemente anzeigen, wird durch spezielle Fingerstellung am Unterarm des Patienten ermöglicht.
Behandelt wurde und wird nicht nur der Körper sondern vor allem auch der Geist des Patienten. Nicht nur die Krankheit selbst soll kuriert werden, sondern die Ursache der Krankheit soll erkannt und bekämpft werden.
Häufig werden durch den Arzt (Amchi) Kräuter oder Mineralien verschrieben, es gibt etwa 1000 verschiedene Mixturen. Die Lebensweise und die Ernährung soll verändert werden, um den Patienten wieder gesund zu machen.
Die Grundlagen der tibetischen Medizin wurden von Yutok Gonpo (729-854) aus dem Sanskrit ins Tibetische übersetzt. Im 17. Jahrhundert wurde die Schule am Chagpori gegründet und das beeindruckende, uralte Wissen wird im Tibetischen Krankenhaus in Lhasa gelehrt und angewendet.
Wer mehr über das traditionelle Diagnose- und Heilverfahren wissen möchte, kann dieses Tibetische Krankenhaus in Lhasa aufsuchen. Besucher können dort zwei Räume mit Plastiken der großen Medizin-Lamas und Thangkas mit Illustrationen der tibetischen Medizin besichtigen.
Uschi Eisner