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Platon auf Reisen

von bprimigZuletzt verändert: 16.12.2005 12:09

Wer seinen Hund in den Urlaub mitnimmt, braucht sich vor Langweile nicht zu fürchten. Platon hat schon so manche menschliche Bekanntschaft provoziert. Und die Kriterien, nach denen Hotels ausgesucht werden, bestimmt längst er.

Für Platon beginnt jede Reise mit einer gehörigen Portion Misstrauen. Wenn die Koffer aus dem Keller geholt werden, Kleiderberge im Wohnzimmer entstehen, dann liegt Platon an einem für ihn strategisch günstigen Platz. Nichts, aber auch wirklich nichts darf seiner Aufmerksamkeit entgehen, selbst wenn dabei ununterbrochen jemand über ihn drübersteigen muss.

Von seinem Misstrauen ist er erst erlöst, wenn auch sein eigener kleiner Koffer aus dem Abstellraum geholt und mit Futter, Schüsseln, Bürste und Handtüchern befüllt wird. Erst da ist er dann sicher: Er darf mit! Vorsichtshalber wechselt er dann den Platz unmittelbar neben die Wohnungstür, um möglichst noch vor dem ersten Koffer hinaus zu flitzen.

Beim Auto wird seine Geduld noch ein letztes Mal strapaziert. Es ist nicht immer leicht, alles so zu verstauen, dass Platon mindestens den halben Kombi-Kofferraum für sich alleine hat. Liegt dort für seine Begriffe zu viel herum, muss er so lange wühlen und umgraben, bis er es sich so richtig gemütlich hat.

Ein Spaziergang vor der Abfahrt kommt nicht in Frage, weil Platon die unmittelbare Nähe zum Auto freiwillig nicht mehr verlässt. Die Autobahnraststätten im Umkreis von 100 Kilometern kennen wir dementsprechend gut, die erste und notwendigste Pause ist fällig.

Nur selten sind Unterkünfte vorab reserviert. Wo es uns gefällt, bleiben wir, bis wir für das nächste Ziel bereit sind. Das heißt allerdings, dass immer wieder Quartiersuche fällig ist. Mit Platon gar nicht so einfach, und mit jedem Urlaub wird die Liste der Kriterien erweitert.

Ein kühles SchlammbadSüdtirol, Berge, wandern, Wein,... herrlich. Die kleine Ruine Castelfeder, erreichbar nur über Kuhweiden. Und Schlammpfützen. Platon zieht seine Kreise, dort schnüffeln, da markieren – und abkühlen. Selten zuvor war er so verschlammt, hat er so bestialisch gestunken. Seither wissen wir: Ein Quartier ist nur dann ein brauchbares Quartier, wenn es einen von der Straße aus zugänglichen Garten mit einem Gartenschlauch gibt. Und einen Besitzer, den die entstehende Schlammpfütze beim Hundebad im eigenen Rasen nicht weiter stört.

Zum Garten sollten auch eine kleine schattige Terrasse und ein großer Besen gehören – Wissen, das am Semmering erworben wurde. Denn Platon hat den Waldwanderweg entlang der alten Ghega-Bahn gründlich aufgekehrt. Berge von kleinen Zweigen, Blättern und Nadeln sammeln sich in seinen langen Haaren. Bevor Platon eine Waldspur durch das Haus legen kann, wird sein Fell auf der Terrasse wieder sauber gebürstet – und anschließend die Terrasse aufgekehrt. Seit ein paar Erholungstagen in den Kalkalpen kommt noch eine Bedingung dazu: der hoteleigene Hund muss für die Dauer der Bürstung wegsperrbar sein. In Gegenwart fremder Hunde lässt sich Platon nicht pflegen.

Wasser ist ein Dauerthema. Die Schüssel im Auto, die ständig nachzufüllende Flasche: längst Standard. Trotzdem war ein Besuch von Schloss Sansoucci in Potsdam alles andere als sorglos. Springbrunnen sind keine geeigneten Hundetränken, zu viele Algenmittel und sonstige Chemie schaden dem Hundemagen. Bloß: Platon war zu schnell. Daraufhin haben wir eine gemeinsame Nacht im Badezimmer des Hotels verbracht: Teppichboden im Schlafraum. Und die nächste Wiese 17 Stockwerke unter uns. Der Lernerfolg dieses Urlaubs: Hotels mit Teppichböden kommen nicht mehr in Frage, ein Zimmer mit mehr als zwei zu überwindenden Stockwerken auch nicht.

Stadtspaziergänge mit Platon: die Garantie, Menschen kennen zu lernen. Platon stört es gar nicht, zu bummeln. Dort schnüffeln, da schnüffeln. Begrabschungen von fremden Menschen jeder Größenordnung lässt er über sich ergehen. Die sich daraus ergebenden Plaudereien wartet er geduldig ab.

Trotzdem zwei städtische Lernerfolge: Platon bekommt in Städten eine Urlaubsfrisur. Weg mit dem französischen Zopf, hin zur ganz unauffälligen Rückbinde-Frisur. Sonst bestehen kleine Mädchen in Gassenlokalen ziemlich vehement darauf, dass ihre Mütter gleich vor Ort Nachhilfe in Sachen Zöpfe flechten bekommen. Für den speziellen Notfall „kreischendes Kind“ ist die Hundebürste ja ohnehin in greifbarer Nähe – siehe Waldspaziergänge und anschließende Fellbefreiung auf schattigen Terrassen. Der zweite Lernerfolg: der Vorrat an Handtüchern im Auto für Platon wird mit jedem Regentag noch größer. Es können gar nicht zu viele Handtücher sein. Eines liegt immer bereit, damit auch der tropfnasse Hund unter dem Restauranttisch nicht zuviel Dreck hinterlässt – oder womöglich zu frieren beginnt.

Die Besichtigung von Denkmälern erfolgt im Schichtwechsel: einer muss immer draußen bei Platon bleiben. Schon mehrfach erlebt: die Begegnung mit anderen Hundebesitzern kann dazu führen, dass man in der Warteposition gleich mehrere Hunde an ihren Leinen hält. Immerhin: die Nonnen eines kroatischen Klosters mit Mumienmuseum haben uns beinahe gezwungen, Platon mit hinein zu nehmen. Schließlich sind Hunde auch Geschöpfe des Herrn. Allerdings stehen sie mit dieser Einsicht ziemlich allein auf christlicher Flur.

Noch ein letzter Lernerfolg aus unzähligen Begegnungen mit anderen Hundebesitzern: die Erfahrungen mit Platon auf Reisen sind nahezu deckungsgleich mit allen anderen vierbeinigen Begleitern – unabhängig von Größe, Geschlecht oder Haarkleid. Nur die Riesen unter den Hunden haben es noch ein wenig schwerer. Das Auto muss noch eine Nummer größer sein, und Hotel- und Restaurantbesitzer reagieren weniger freundlich.